"Moral bringt Gewinn!"

Norddeutsches Handwerk vom 8. Mai 2008, S. 13

Ethik ist auch eine Investition: Lüneburger Handwerker diskutieren über soziale Verantwortung im Markt.

Unternehmen, die Subventionen einstreichen und dann ins Ausland abwandern. Manager, die sich die Taschen vollstopfen und gleichzeitig tausende Mitarbeiter entlassen - Negativmeldungen wie diese sorgen zurzeit für Empörung. Sind Moral und soziale Verantwortung Auslaufmodelle? Antworten darauf hatte die Veranstaltung „Moral bringt Gewinn!“ in der Handwerkskammer Lüneburg-Stade.

 

Im Vordergrund der Diskussionsrunde, die auf Initiative des Kirchlichen Dienstes für Handwerk und Handel der Landeskirche Hannover stattfand, stand die Frage: Wie können Unternehmen ihre Sozialverantwortung - auch genannt: Corporate Social Responsibility, kurz CSR - sinnvoll einsetzen? 

 

„Die Mehrheit der deutschen Unternehmen, und das sind vor allem kleine und mittelständische Betriebe, handeln nach ethischen Grundsätzen und moralischen Prinzipien“, betonte Gernot Schmidt, Präsident der Handwerkskammer Lüneburg-Stade, in seiner Begrüßungsrede. „Allein im Bezirk Lüneburg-Stade sind mehr als 1.000 Handwerker ehrenamtlich in karitativen Einrichtungen, Kirchen, Verbänden und Vereinen tätig“. Soziale Verantwortung für die Mitarbeiter und ihre Familien hat in Handwerksbetrieben eine lange Tradition, bestätigte auch Heidi Kluth, Vorsitzende des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Niedersachsen e. V. und neu gewähltes Mitglied der Handwerkskammer Lüneburg-Stade. Sie machte an beispielhaften Aktivitäten wie der Schaffung familiengerechter Arbeitsplätze deutlich, dass CSR im Handwerk bereits gute Praxis ist.

 

Corporate Social Responsibility - nur alter Wein in neuen Schläuchen? „CSR ist weit mehr als nur Engagement für gute Zwecke“, so Frank Maaß vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Da Kunden und Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen in Zukunft noch stärker auf moralische Aspekte achten werden, tun die Unternehmen gut daran, soziale und ökologische Verantwortung in ihr unternehmerisches Handeln zu integrieren“. Dass Ethik auch eine Investition ist, von der alle profitieren, zeigen die zahlreichen kleinen und mittelständischen Betriebe, die CSR bereits erfolgreich einsetzen. Höhere Mitarbeitermotivation, verbesserte Kundenbeziehungen, neue Geschäftsfelder machen deutlich, dass Moral Gewinn bringt.

 

„Unternehmen können sich nicht auf rein egoistische Zielsetzungen beschränken“, mit diesem Statement beendete Dr. Marion Pusch die Veranstaltung der Handwerkskammer. Die Dozentin für Ethik an der Fachhochschule Hildesheim/Göttingen/Holzminden forderte Unternehmer, Führungskräfte, Ausbilder und Eltern auf, Werte wieder vorzuleben. „Verlässlichkeit, Vertrauen, Fairness, Ehrlichkeit und Pflichtbewustsein sind Teil unserer Kultur und eine entscheidende Voraussetzung für unser gesellschaftliches Miteinander.“

 

Von Annedore Meyer ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! )

 

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